Zunfthaushistorie

 

Das städtische Objekt Kaufhausstraße 1 wird bereits 1485 als Besitz der Domprobstei Konstanz erwähnt. Das zum Rathaushof hin sichtbare Fachwerk mit seinen Überplattungen scheint dieser Zeit anzugehören. 1631 tauschen die Domprobstei Konstanz und das Kloster Heiligkreuzthal ihre Häuser. Das Kloster lässt im Stil der Zeit vor allem den zur Kaufhausstraße hinreichenden Gebäudeteil umbauen (u.a. Einzug einer bemerkenswerten Holzdecke im 1. OG mit Parallelen zum Schloss Heiligenberg). Nach der Säkularisierung in Privatbesitz, erwirbt Ende des 19. Jahrhunderts der Buchbinder Ferdinand Widder das Anwesen. Aus dieser Zeit (1898) stammt auch die Gestaltung der Erdgeschosszone mit für damalige Verhältnisse großzügigen Schaufenstern.

Das Zunfthaus (ehem. Anwesen Koch, Kaufhausstraße 3) könnte wegen des Hallencharakters im Erdgeschoss (siehe Eingangsbereich!) zum Objekt Kaufhausstraße 1 dazugehört haben. Zeitweise scheint das Haus (oder das benachbarte Lamm bzw. der westliche Teil des städtischen Hauses) auch der angesehenen Kaufmannsfamilie Pellerin (Kaspar Pellerin ließ in Nürnberg das „berühmteste deutsche Renaissance-Bürgerhaus“ errichten) gehört haben (Kaufvertrag 1485). Nr. 3 wurde nachweislich um 1511 (bzw. 1514, Dendrodaten) erbaut. Sowohl die noch sichtbaren Überplattungen (offene Halle, Dachstuhl) des Fachwerks als auch der gewölbte Keller mit einem noch offenen (!) Brunnen und spätgotischem Kragsturz-Portal sind dieser Zeit zu zurechnen. Die ehemalige Kaufmanns-Halle wurde in der Barockzeit bzw. im 19. Jhdt. mit einem Wohnteil teilweise ausgebaut. Die volle Hallenhöhe blieb indes im Flurbereich immer mit 3,40 Meter sichtbar.

Von diesem Haus erstreckt sich entlang der westlichen Grundstücksgrenze eine zum Teil über sieben Meter hohe Wackenmauer nach Süden bis zur Seestraße (Brandschutz, zum Teil Reste eines mittelalterlichen Hauses nach Westen). Auch der Vorgängerbau des Gasthauses Adler hatte seinen Westgiebel auf dieser Achse (s. Baufuge im unteren Drittel!). Zumindest für das 18. und 19. Jhdt. ist ein Torkel an dieser Mauer nachweisbar. Die dort befindliche Weinpresse wies immerhin den halben Versicherungswert des Hauses auf. 1908/11 wurde der Torkel an dieser Parzellenmauer abgebrochen und stattdessen eine lange, zweigeschossige Remise/Werkstatt errichtet. Gleichzeitig hatte man beim Teilausbau des Dachstuhls die mittlere „Uffzugsgaube“ zur Kaufhausstraße abgebrochen und durch die drei noch erhaltenen kleinen Spitzgauben ersetzt. Ein Grenzstreit mit dem südlichen Nachbar (Gasthaus „Adler“) führte dazu, dass das Anwesen Raggenbach-Koch den westlichen Teil des Adlers zugeschlagen bekam und somit heute idealer Weise über einen Zugang (Scheunentor) von der Seestraße her verfügt. Abgesehen von einzelnen kleineren Maßnahmen ist das Haus wie kaum ein anderes Objekt in der Altstadt unverfälscht geblieben. Die behutsame Sanierung und der Erhalt z. B. des offenen Hinterhofes bewahren den Charakter und die Einmaligkeit des Anwesens für die Altstadt.

 

Plan